An ungewöhnlichen Szenen mangelt es global gesehen zu keinem Zeitpunkt. Fast überall tragen sich Rund um die Uhr merkwürdige Dinge zu. Wenn man das ganze aus philosophischer Sicht betrachtet, kommt man zu dieser ausgeleierten Frage, ob ein sprechender Hund auf zwei Beinen und mit einem komischen Hut wirklich existiert, wenn niemand ihn beobachtet. Für den fraglichen Hund spielt dies natürlich keine Rolle, wenn man annimmt, er sei sich seiner Existenz bewusst. Um dies zu testen, könnte man ihm einen roten (oder blauen) Punkt auf die Schnauze malen und ihn vor einen Spiegel setzen, was das ganze aber wiederum obsolet macht, da dann ja mindestens eine andere Person anwesend wäre, die seine Existenz beobachten und damit unweigerlich wirklich machen würde.
Mir ist das recht egal. Den Glauben, die Welt würde einfach verschwinden, wenn ich meine Augen nur fest genug schließe, habe ich vor einigen Jahren endgültig an den Nagel gehängt. Wenn ich mich recht entsinne, hing dieses Experiment mit einer Party und einem unangenehm riechenden Fleck auf meinem Wohnzimmerteppich zusammen. So fest ich die Augen auch schloss; der Fleck machte durch seinen Geruch recht penetrant darauf aufmerksam, dass er von Philosophie nicht viel hielt. Zurück zu den ungewöhnlichen Dingen, die sich ständig zutragen. Ich persönlich habe nur sehr wenigen solcher Ereignissen beigewohnt. Umso mehr wundert es mich, dass manche Menschen solche Situationen anscheinend täglich, manchmal sogar mehrmals täglich miterleben.
Nehmen wir zum Beispiel… nennen wir ihn „Sherlock“. Sherlock ist jemand, der zu passender Gelegenheit unzählige Anekdoten über sich und irgendwelche Bekannte (die außer ihm natürlich niemand in der Runde kennt) zu erzählen weiß. Da erzählte er beispielsweise neulich, dass ein Bekannter (Definition siehe einen Satz zuvor) sich vor kurzem ein neues Auto gekauft hätte – einen nagelneuen Passat – und diesen zusammen mit seiner Freundin direkt in Wolfsburg abgeholt hätte. Auf dem Rückweg ging’s dann noch durch den Serengeti Park. Dort steckte irgendwann ein Elefant seinen Rüssel durchs Fenster, Freundin bekommt Panik, lässt das Fenster hoch, klemmt Rüssel ein, Elefant wird sauer, tritt Beule ins Auto. Später dann Polizeikontrolle, Polizist fragt: „Beule?“ Typ sagt: „War Elefant!“ Polizist sagt: „Aha. Pusten sie mal!“ Typ hat 1,2 Promille, da er mit dem Verkäufer aufs neue Auto angestoßen hat. End of Story.
Und das berichtete er mit dem Brustton der Überzeugung, dies sei tatsächlich passiert.
Auch immer wieder schön, wie Menschen mit sich selber Stille Post spielen können. Ich kann mir förmlich vorstellen, wie… nennen wir ihn „Watson“ sich selber eine Geschichte immer und immer wieder erzählt, bis sie endlich lustig/ spannend/ tragisch genug ist, um sie das nächste Mal in einer geselligen Runde erzählen zu können. Besonders beliebt sind Geschichten mit Zeugen Jehovas/ Mormonen/ GEZ Leuten an der Tür. Die wildesten Dinge scheinen sich da abzuspielen… und keiner da, der sie beobachten kann (außer den Beteiligten). Und in diesen Fällen bin ich mir fast sicher, dass ein Baum auch geräuschlos fallen kann. Erst ein (natürlich) einsamer Wanderer wird später davon berichten, wie er nur knapp dem Tode entkommen konnte, als plötzlich um ihn herum die Hölle losbrach und ein infernalisches Krachen und Knacken das heruntertosende Ungeheuer in Form eines mit Stacheldraht bewehrten Baumes mit Haien und Laserkanonen daran auf ihn herniederstürzte.
Aber vielleicht irre ich ja. Möglicherweise ist mein Leben in der Tat so langweilig und ich bin im rechten Moment einfach so wenig schlagfertig, das solche Dinge immer nur anderen passieren.